Interview mit Sarah Schmidt, Autorin des Romans in der ersten KULTUR.BOX

Interview mit Sarah Schmidt, Autorin des Romans in der ersten KULTUR.BOX

Mit “Eine Tonne für Frau Scholz” landete Frau Schmidt einen Hit. Der Roman steht auf der Hotlist 2014 der unabhängigen Verlage und gehört damit zu den 10 besten Büchern des Jahres!

Und so beginnt die Geschichte:
Nina Krone wohnt im letzten unsanierten Mietshaus der Gegend, klar, dass man hier noch mit Kohle heizt. Und keiner der Nachbarn ist unter 50 Jahre alt. Eines Tages kann sie es nicht mehr ertragen, das Leiden an der Welt, das ihre Nachbarin, Frau Scholz, vor sich herträgt. Um ihr demonstratives Schnaufen beim Kohleschleppen nicht mehr mit ansehen zu müssen, beginnt sie damit, ihr jeden Tag einen Eimer Briketts vor die Tür zu stellen. Das freut Frau Scholz zuerst gar nicht, doch dadurch kommen sie ins Gespräch …

Was oder wer war Ihre Inspirationsquelle für die Figur der Frau Scholz ?

Ich wollte gerne etwas über Frauen im Alter von Frau Scholz schreiben, also die, die jetzt in ihren späten Siebzigern sind. Die haben 1968 Einiges mit entschieden, und trotzdem habe ich ein Bild von alten Menschen, das damit nicht so richtig zusammenkommt. Ich fand es interessant, über diese Diskrepanz zu schreiben, eine solche Figur zu entwickeln, die äußerlich unscheinbar wirkt, aber hinter der eine wilde Zeit steckt.

Der Titel ist ein Zitat. Warum haben Sie die Kohlen aus dem Titel rausgelassen, um die es doch im Roman ganz stark geht ? Symbolisieren die Kohlen für Sie den Untergang einer bestimmten Ära?

Ich habe das Wort aus dem Titel rausgelassen, weil ich das zu platt fand. Die Kohlen in dem Buch sind keine Metapher, für nichts, einfach nur Kohlen. Das sind die Tatsachen, mit denen sich diese Hausbewohner im Winter zurechtfinden müssen.

Können Sie etwas zum Zitat am Ende des Buches sagen, „Geschichte muss nichts mit der Realität zu tun haben, um wahr zu sein“?

Jeder lebt in seiner eigenen Welt. Wenn man sich auf die groben Tatsachen einigen kann, also dass die Welt eine Kugel ist, dass es die Evolution gibt, diese ganz grundsätzlichen Sachen, dann gibt es trotzdem noch für jeden eine eigene Realität. Wahrheit ist sehr relativ und ich fand, das ist in dem Satz ganz gut zusammengefasst.

Die Krise, die die Hauptfigur Nina durchlebt, erledigt sich von selbst durch die Krise der Kinder. Geht es in dem Roman eher um ihren inneren Weg oder geht es eher darum, dass sich die Familienkonstellation immer neu definiert?

Ich glaube, dass Menschen, die mit anderen intensiven Kontakt haben, ob jetzt Familie oder enger Freundeskreis, relativ selten Entscheidungen wirklich selbst treffen. Entscheidungen werden durch Ereignisse herbeigeführt. So sehe ich das bei Nina auch. Sie lässt sich einfach vom Leben treiben.

Gibt es in dem Roman auch autobiographische Elemente?

Ich stecke genauso hinter Frau Scholz, wie hinter Rafi, sogar hinter dem Haus. Es hat aber nichts mit einer autobiographischen Abarbeitung zu tun.

Sie haben mehrere Romane beim Verbrecher-Verlag, einem Indie-Verlag publiziert. Wie wichtig ist für Sie die Indie-Buchszene in Deutschland?

Die bereichert das Angebot für die Leser ganz enorm. Vieles, was ein bisschen abseits vom Mainstream ist, wird nur durch Indie-Verlage verlegt. Diese Bandbreite von ganz populär bis hin zu ganz abwegigem Zeug, für das sich nur 150 Leute begeistern,d ie dann aber richtig, das schafft nur eine möglichst breitgefächerte Verlagslandschaft und da sind unabhängige Verlage enorm wichtig.

Und wie sind Sie selbst zum Schreiben gekommen?

Da fällt mir ehrlich gesagt keine Antwort drauf ein! Ich habe es nicht entschieden, ich habe es einfach gemacht! Wie gesagt: Das Leben an sich ist das, was uns in eine bestimmte Richtung bringt.

 

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